Am Tag, an dem für alle Rallyeteilnehmer die Bosporusbrücke in Istanbul abgesperrt wurde, ein Ereignis, das man so wohl nie mehr erleben wird, hielt sich das Team nicht in Istanbul auf. Sondern vor Istanbul. Als wäre nichts dabei, verzichtete es auf dieses Highlight, und schlimmer noch, das Team stand trotzdem morgens um 3.30 Uhr auf.

Das Team Judo goes Orient wollte sich dieses Ereignis in Istanbul eigentlich nicht entgehen lassen. Der Grund für die Absenz war auch nicht die Folge des Autounfalls von vorgestern, sondern die Einladung Saideens, eines türkischen Arbeiters, am Morgen zuvor. Während den Reparaturarbeiten zu unserem Autounfall hat er uns zu sich nach hause eingeladen. Zum Essen, Duschen, Schlafen. Wir haben angenommen. Also doch irgendwie Folge des Autounfalls.

Vor allem, weil wir diese Gastfreundschaft schätzen und neugierig sind. Aber auch, weil wir fanden, die Nacht lasse sich angenehmer verbringen als fahrend in Autos mit dem Charme von Sardinenbüchsen.
Zum Beispiel in einem authentischen türkischen Haushalt. Nach der Pflicht also die Belohnung mit den Gastgebern. Eine gekochte Mahlzeit anstatt Snacks, ein geräumiges Bett statt enge Verhältnisse, eine Dusche statt Feuchttücher und Parfüm.

Im Vorfeld zu unserer Reise, sagten wir oft, Völkerverständigung und Kennenlernen anderer Kulturen stehe ebenso im Vordergrund wie das Fahren an sich. Im Moment, als wir das türkische Wohnzimmer betraten und uns vor den Fernseher setzten, kein Wort mit unseren türkischen Gastgebern wechseln konnten, da schauten wir uns gegenseitig an, und hofften, einer möge die Stille durchbrechen. Und weil jeder dasselbe dachte, blieb es still.

Inzwischen, wir haben bereits mit den zwei Gastgebern zu Nacht gegessen, kamen auch noch die Grosseltern, Onkel Mehmet und Cousin Mehmet. Wir sassen zu zwölft im Wohnzimmer. Und es war amüsant, trotz Verständigungsproblemen. Um 22.30 Uhr legten wir uns schlafen. Und weil wir jeweils zu zweit in einem Auto fahren resp. schlafen, haben uns Saideen und Hanifee kurzerhand jeweils ein Zimmer mit Betten zur Verfügung gestellt. Und so kam es, dass ein 2-er Team von uns im Ehebett übernachtete, während die Gastgeber auf dem Sofa im Wohnzimmer nächtigten. Um 3.30 Uhr verabschiedeten wir uns voneinander. Sogar der 80-jährige Grossvater stand auf, um uns die Hand zu schütteln.

Am nächsten Morgen werden wir sagen: „Wir haben einen super Abend erlebt, den wir so schnell nicht vergessen werden. Mit Freunden, die eigentlich Fremde sind.“

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