Platz 4? Das Team Judo goes Orient, das gerade noch ganz aufgedreht war, schaut aus, als würde es die Welt nicht mehr verstehen. Ein vierter Platz? An der Allgäu-Orient Rallye 2016? An der alle auf dem viertel Platz landen – ausser die Erst-, Zweit- und Drittplatzierten. Ein vierter Platz? Am Tag, an dem die Allgäu-Orient Rallye der türkischen Stadt Dalyan die Aufwartung macht und die Menschen in Feierstimmung sind? Sie haben ja recht.

Ja, die Rallye ist zu Ende in Dalyan, und wer schon mal hier war, der fühlt sich wohl. Es beginnt beim Charme des türkischen Städtchens und endet bei der friedlichen Stimmung der Menschen. Stunden vor dem Start der Schlussfeier bewundern manche Leute die wenigen Rallye-Autos, die auf dem Platz unweit der Bühne stehen. Schon das ist erstaunlich, es gibt nicht wirklich viel zu sehen. Es sind alte Autos, mittlerweile von der langen Reise gezeichnet, Beulen, fehlende Karosserieteile, und die müden Insassen, die nur noch vor der Feier duschen möchten. Bestenfalls sehen die Fahrzeuge abenteuerlich aus. Mitgenommen ist wohl treffender.
Aber dies hier ist die Schlussfeier der Allgäu-Orient Rallye, und wenn man die Aussage schon zigmal geschrieben hat, so hat sie doch ihre Richtigkeit, gerade jetzt: Die Rallye verlangt viel von den Teilnehmern. Wer sich anmeldet, muss auf vieles verzichten, zum Beispiel auf andere Hobbies, für die aufgrund der zeitintensiven Vorbereitung kein Platz mehr ist. Es reihen sich noch mehr Dinge ein, die Ferien, die man opfern muss, die finanziellen Mittel, die eingeschossen werden müssen, das Herzblut, das hinter diesem Projekt steht.

An diesem Freitagabend sind nun alle Fahrer beisammen und warten, bis die Rallye offiziell als beendet erklärt wird. Und wer währenddessen den Gesprächen der Fahrer lauscht, merkt: Sie sind schon auch wegen der Rallye hier, aber vor allem wegen sich selber. Die Begeisterung der Teilnehmer, das war schon in der Vorbereitungsphase so und ist während der Rallye nicht anders, die Begeisterung ist eine, die sich aus sich selber nährt. Der typische Teilnehmer geht dorthin, wo Abenteuer zu erwarten sind und Improvisation gefragt ist. Und dann fährt er Kilometer um Kilometer, lädt Hilfsgüter ab und freut sich auf gesellige Abende, plaudert ein bisschen, trinkt Bier und isst Grilladen. Es sind diese Erlebnisse, die der Rallye eine Intensität bescheren, die so sonst schwierig zu erreichen ist. Und das persönliche Engagement multipliziert die Stimmung noch, das ist immer so in solchen Fällen.
Aber das ist es ja gerade: In die Rallye hat das Team Judo goes Orient sich selber investiert, deswegen ist es verletzlich. Es scheint, als hätte dieses Team einen Aufwand betrieben, der kaum zu übertreffen ist. Und es scheint daher, als wäre mitunter ein Grossteil Glück gefragt, um am Ende mit einer besseren Platzierung als die Masse belohnt zu werden. Und das zeichnet diese Schlussfeier aus, den letzten Akt dieser rund dreiwöchigen Reise: dass sie von einer unschuldigen Begeisterung getragen wird, einer Begeisterung, die ohne übermässige Objektivität bei der Bewertung in Bezug auf die Platzierung auskommt. Was ja oft der Fall ist.

Die Rallye lebt von ihren Teilnehmern und nicht vom Organisationskommitee, aber es fällt Ersteren  eher schwer, ihr Missfallen darüber kund zu tun. Die Teams sind eben zu Gast an der Allgäu-Orient Rallye, und nur zu Gast. Es ist nie recht klar, was als nächstes stattfinden und wo man sich am Abend einfinden wird. Das sah man immer wieder, wenn wir vom Organisator Falschinformationen oder keine Informationen erhalten haben und stattdessen selber weiterschauen mussten. Daher bereitet es Schwierigkeiten, wenn eine solche Organisation intransparent über einen richtet. Es ist diese Zerrissenheit, die uns an diesem Abend gefangen gehalten hat. Wer richtet, der henkt.
Aber das ist bereits Vergangenheit, wie es scheint. Das Team Judo goes Orient hat eine super Zeit miteinander erlebt. Es hat fremde Menschen getroffen, die einen wie ein Familienmitglied behandelt haben. Es hat schwierige Situationen gemeistert, die die Bindung zueinander verstärkt haben. Es hat erlebt, wie andere Menschen leben und dankbar sind, wenn ihnen geholfen wird.

Als wir uns zu dieser Rallye angemeldet haben, wussten wir nicht, was uns erwartet. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich angemeldet hätte, hätte ich alles gewusst. Aber ich bin mir fast sicher, mich nicht wieder dafür anzumelden. Lieber möchte ich mit diesem Team neue Herausforderungen anpacken. Daher: Als wir am nächsten Morgen zusammen frühstücken und einander einige Erlebnisse erzählen, da fällt es schwer, zu anerkennen, dass unsere gemeinsame Zeit vorläufig zu Ende ist.

Die Rallye hat unser Team begrüsst, wie man eine Fernbeziehung willkommen heisst, von der man noch nicht weiss, ob man den nächsten Schritt machen soll und mit ihr zusammenziehen will. Sie hat den nächsten Schritt nicht gewagt. Aber wir als Team haben ihn gemacht. Wir nehmen Erinnerungen mit, die uns niemand mehr nehmen kann.

Vielen Dank euch allen: Fürs unterstützen, mitverfolgen, mitleiden und mitfreuen.

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