Wenn man nicht wüsste, wie’s ist, könnte man Gutes denken, Spannendes fühlen. Der Rahmen ist stimmungsvoll: Spät in der Nacht, stockdunkel, totale Abgelegenheit. Mittendrin quälen sich unsere drei Rallyeautos über die Hügel und Pässe. Obschon es regnet und die Temperaturen nicht an den Sommer denken lassen, ist die Stimmung gut – fast schon etwas surrealistisch. Die Fahrer umfahren die Schlaglöcher, funken sich nützliches, lustiges und stumpfsinniges, die Beifahrer versuchen zu schlafen. Das könnte doch das perfekte Abenteuer sein. Phantasiert man. Drei Fahrzeuge unterwegs, ohne Stress und Unvorhergesehenem.

Irgendwie so könnte es sein, zumal weder Pannen noch andere Fahrzeuge die Idylle trüben. Das kardinale Problem ist nur: Es ist nicht so, bei weitem nicht so. Zwischen den einzelnen Pässen verlaufen die Grenzen der Länder Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Albanien, wo die Zöllner alle Zeit der Welt haben. Von Spannung ist wenig bis nichts in der kalten Luft, weil ständig die Frage gestellt werden muss: Wie lange wird es dauern, bis wir die Grenze passieren dürfen?

Die längst fällige Meldung des Amtsschimmels, die im Grunde seit Beginn der Reise feststeht, bahnt sich Stufe für Stufe an. Die Zollbeamten hätten Weisungen zu befolgen und dürften uns nicht ins Land lassen. Es folgen Erklärungen, die mit der Länge nicht an Klarheit gewinnen. Plötzlich geht’s dann doch. Bei Bosnien-Herzegowina beim dritten Zoll nach insgesamt rund 90 Minuten, bei Albanien nach ca. 3 Stunden. Die Lage ist so unumstösslich, dass unser Team nicht einmal auf die Idee kommt, die Litanei der ständigen Schikanierungen anzustimmen. So läuft das eben.

Anderes gilt für einen anderen Teil unserer Reise, der immer mehr zur reinen, unbeschwerten Feierminute wird. Wir schiessen Erinnerungsfotos für spezielle Kilometerzahlen und fotografieren uns vor den Grenzschildern der passierten Länder. Am Ende ist oft fraglich, ob es ein Foto vor dem nächsten Grenzschild geben wird. Die Grenzbeamten sind grimmig und wenig strapazierfähig. Aber das interessiert in dem Moment niemanden. Wie immer. Seit Beginn.

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